Abschied

 

Wie hab ich das gefühlt, was Abschied heißt.

Wie weiß ich’s noch: ein dunkles unverwundnes

grausames Etwas, das ein Schönverbundnes

noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.

 

Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschauen,

das, da es mich, mich rufend, gehen ließ,

zurückblieb, so als wären’s alle Frauen

und dennoch klein und weiß und nichts als dies:

 

Ein Winken, schon nicht mehr auf mich bezogen,

ein leise Weiterwinkendes –, schon kaum

erklärbar mehr: vielleicht ein Pflaumenbaum,

von dem ein Kuckuck hastig abgeflogen.

 

Rainer Maria Rilke . 1875-1926

 

Besser ein Messer als ein Wort. Ein Messer kann stumpf sein. Ein Messer trifft oft am Herzen vorbei. Nicht das Wort.

 

Hilde Domin